Fachliches Selbstverständnis
"Heilpädagogik stellt sich in ihrem Handlungskonzept auf die besonderen Lebens- und Entwicklungsmöglichkeiten der Betroffenen in ihrem jeweiligen soziokulturellen und gesellschaftlichen Bezugssystem ein. Sie ist Erziehung, Förderung, Entwicklungs- und Lebensbegleitung unter erschwerten Bedingungen."
(Berufs- und Fachverband Heilpädagogik 2001)
Ein Handlungskonzept im o.g. Sinne wäre z.B. das Sozialkompetenztraining oder die verschiedenen Assistenzkonzepte im Bereich des Wohnens und Arbeitens.
Primär steht in der heilpädagogischen Grundhaltung nicht die Behebung eines Defizits, sondern die umfassende, ganzheitliche Förderung des Menschen im Vordergrund.
Im Mittelpunkt meiner Arbeit stehen Menschen mit geistigen-, psychischen- oder Verhaltensbeeinträchtigungen, aber auch ihre Fähigkeiten und Ressourcen. Die durchgängige Verbindung mit den aktuellen Empowermentkonzepten ist für mich genauso selbstverständlich, wie die Anwendung bewährter, traditioneller Konzepte und Methoden der Heilpädagogik.
Wichtiger fachlicher Hintergrund ist die Teilhabekonzeption des biopsychosozialen Modells der Internationalen Klassifikation der Funktionsfähigkeit, Behinderung und Gesundheit (ICF) der Weltgesundheitsorganisation (WHO).
Die früher vorherrschende eindimensionale bio-medizinische Betrachtungsweise (auf Körperfunktion und –struktur) wird durch das so genannte „Aktivitätenkonzept“ (Aspekte des Menschen als handelndes Subjekt) und durch das Konzept der Teilhabe (als gleichberechtigtes Subjekt in Gesellschaft und Umwelt) ergänzt.
Zusammengenommen verhelfen die Konzepte Körperfunktion(und-struktur), Aktivitäten und Teilhabe den Anbietern von sozialen und rehabilitativen Dienstleistungen zu einer neuen dreidimensionalen Sichtweise ihrer Nutzer und Klienten. Diese Sichtweise ermöglicht es, Förderfaktoren, Ressourcen und Selbsthilfekräfte in der Person und ihrem sozialen Umfeld zu erkennen und zu stärken, aber auch ungünstige Bedingungen und Barrieren in den Blick zu nehmen und behutsam und nachhaltig zu verändern.
Als Planungshilfe und Zielerfassungsinstrument hat sich hierfür in den letzten Jahren der Teilhabeplan bewährt. Ausgehend von der individuellen Hilfeplanung ist Vernetzung von professioneller Hilfe mir ein großes Anliegen ganz im Sinne eines optimalen„Hilfemix“, der dem Menschen mit Behinderung ein weitgehend normales selbstbestimmtes Leben ermöglicht. Aus pädagogischer Sicht hat sich dieser so genannte “multimodale Ansatz“ gerade bei sehr problematischen und schwierigen Betreuungssituationen und Krisen bewährt.